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[Review] Zoom-Konferenz des Grauens: Grusel-Geheimtipp „Host“

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Die letzten zwei Jahre wurde nicht nur unser Privatleben und damit auch unser Filmkonsum von der Pandemie maßgeblich beeinflusst, sondern auch die Filmwelt hat sich verändert. Während Serien wie Stranger Things eine Pause eingelegt haben, die bis heute andauert, und Kinofilme wieder und wieder verschoben wurden oder sogar direkt in die Heimkinos kamen, mussten Filmschaffende kreativ werden.

Das hat dazu geführt, dass die Videokonferenz im Film Host als Kamera her halten musste und sich die Protagonisten mit ausreichend Abstand verwirklichen konnten.

Host spielt während des Lockdowns in Großbritannien. Sechs Freunde wollen in einer Zoom-Konferenz eine Séance abhalten, um tote Personen aus ihrer Vergangenheit zu kontaktieren. Das Medium, das sie dazu beauftragt haben, nimmt ebenfalls teil und warnt alle Beteiligten: Nehmt es ernst und veralbert das Ritual nicht!

Es dauert natürlich nicht lange, bis der erste Teilnehmer seine Späße macht; und als das Medium dann seltsamer Weise aus der Konferenz fliegt, beginnt für die Teilnehmer der Horror – denn ein Dämon wurde verärgert.

Host ist im Jahr 2020 entstanden, nachdem der Regisseur Rob Savage seine Freunde in einem realen Videomeeting verarscht und ihnen vorgespielt hat, dass er angegriffen wird. Das Video ging viral und Rob hat die Gelegenheit genutzt, um seine Idee für den Film bei SHUDDER zu pitchen. Kurze Zeit später war der Film im Kasten. Beziehungsweise auf der Festplatte.

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That is incredible! How did you do that?

Ok, in wie fern seine Freunde das für real gehalten haben, darüber lässt sich streiten. Aber immerhin wurde sein Film finanziert. Und ob der gruselig ist, das willst du jetzt vermutlich von mir wissen, oder?

Vielleicht bist du auf Host aufmerksam geworden, weil das Science of Scare Project den Film dieses Jahr auf Platz 1 als den gruseligsten Horrorfilm aller Zeiten gelistet hat, und das direkt vor die High Budget Produktionen Sinister, Insidious und The Conjuring. Der Durchschnittliche Pulsschlag soll während des Films demnach bei 88 BPM gelegen haben, ganze 24 BPM über dem Ruhepuls – was für den Platz 1 ausschlaggebend war. Die Spitze lag bei 130 BPM, was nur von Insidious (133) und The Conjuring (132) getoppt wurde.

Ganz schön nerdy, ich weiß. Aber neugierig macht das auf jeden Fall.

Weil Host in Deutschland noch nicht käuflich zu erwerben ist, muss man einen Blick ins Ausland wagen. Amazon.co.uk bietet den Film als Prime Video Stream an. Bringt mir nichts, deshalb habe ich mir auf Amazon.fr die Blu-ray bestellt. Als Tonspuren sind die französische Synchronisation und der englische Originalton vorhanden, damit komme ich klar. Die Lieferzeit betrug mysteriös schnelle 2 Tage, aber ich will hier ja keine Werbung machen… Außer für den Film vielleicht, mal sehen.

Host wird auf Grund des Videokonferenz-Looks ziemlich schnell interessant. Anfangs wird noch ein wenig mit dem Zuschauen gespielt: Sieht man hier schon etwas? Erwartet den titelgebenden Host der Konferenz bereits Unheil? Auch die Charakter, die nach und nach joinen, machen Laune und lockern den Film auf. Weil die Spielzeit inklusive Abspann jedoch gerade mal 57 Minuten beträgt und eine kostenlose Zoomkonferenz ein gottgegebenes Zeitlimit von nur 40 Minuten hat, muss es nun schnell losgehen. Host will ja schließlich auch auf Platz 1 der gruseligsten Horrorfilme.

Und es beginnt für mich als Zuschauer auch ziemlich schnell Spooky zu werden. Das wackelige Bild und die schlechte Bildauflösung der Webcams sind sowieso gnädige Mittel des Found Footage Genres, aber auch die Perspektive macht einiges her. Wir sehen die Darsteller von vorne, von ihren Bildschirmen angeleuchtet. Im Hintergrund: Dunkelheit. Und vielleicht das ein oder andere kleine Lämpchen, um dunkle Ecken etwas aufzuhellen. Sitzt man auf seinem Sofa, dreht man sich das ein oder andere mal um, um zu überprüfen, ob man nicht gerade sogar selbst Hauptdarsteller in einem Gruselfilm ist. (Dieses mal habe zumindest ich wieder Glück gehabt.)

Die Story hält sich ziemlich lange bedeckt. Wir wissen nur, dass die Séance auf Grund der Albernheit einer Person nach hinten los gegangen ist und bei den Teilnehmern jetzt seltsame Dinge passieren. Dramaturgisch geschieht ab dem Zeitpunkt relativ wenig, was allerdings nicht besonders schlimm ist. Denn die zu dem Zeitpunkt vorhandene, derbe gruselige Atmosphäre hat einen langen Atem und bleibt bis zum Ende hin erhalten. Das heißt, wenig Zeit sich auszuruhen.

Mit dem Vorteil, dass wir nichts wissen und auch nicht wirklich was zu sehen bekommen haben, verspielt es sich Host im späteren Verlauf leider. Denn dann macht er meiner Meinung nach einen großen Fehler und gibt dem Grauen ein Gesicht. Gruselig ist das ganze immer noch – auf jeden Fall. Aber irgendwie war das ein Downer für mich. Paranormal Activity hat vorgemacht wie es besser geht. Der hat es nebenbei bemerkt nur auf Platz 9 beim Science of Scare Project 2021 geschafft.

Fazit

Host ist eine Randerfahrung für weiche Gemüter, die den Grusel lange aufrecht erhalten kann und selbst mir als hartgesottenen Genießer solcher Filme schweißnasse Hände bereitet hat. Die Story war schön flach, wie man es bei einem solchen Film erwarten darf, doch zum Ende wurde probiert zu viel zu erklären (ohne dass eine echte Erklärung geliefert wurde). Ein bisschen weniger wäre hier noch mal mehr gewesen. Der Film ist vielleicht nicht der gruseligste Film, aber er spielt auf jeden Fall in der Champions League der Gruselfilme mit.

Trailer

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FAQ

Wo kann ich Host auf deutsch streamen?

Zum jetzigen Zeitpunkt wurde Host noch nicht auf Deutsch veröffentlicht und kann demnach nicht gestreamt werden.

Wann ist der Starttermin von Host?

Noch gibt es keinen Starttermin. Falls Host hierzulande veröffentlicht wird, ist eine Direct-to-Home Veröffentlichung wahrscheinlich. Er wird also auf DVD und Blu-ray sowie digital als Video on Demand Stream veröffentlicht. Ein Kinostart ist unwahrscheinlich.

Ist Host real?

Hehe, nein.

Sonstiges

Der nächste Horrorfilm von dem Host-Regisseur Rob Savage heißt Dashcam. Der Film spielt ebenfalls während des Lockdowns in London und erzählt von einer Musikerin, die die Ausgangssperre missachtet.

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